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Wohltuender Besuch

Quelle: von Joachim Lauterjung / Profil 2018, Nr. 1

Liebe Leserinnen und Leser,

offenkundig ist es ein ganz besonderer und erhellender Besuch, der uns im Monatsspruch für den Dezember 2017 angekündigt wird.

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lukas 1,78-79

Einer, der uns zur Wohltat und nicht zur Belastung wird. Einer, der Licht nicht nur in die dunklen Monate des Jahres, sondern in die Welt bringt.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir jedenfalls scheint das dringend nötig. Denn mein Lebens- und Weltgefühl haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Nach dem Fall der Mauer, einem immer stärkeren Zusammenwachsen Europas, dem vermeintlichen Rückgang politisch extremer Positionen war ich als junger Familienvater voller Optimismus.

Aber wir wissen alle: So ist es nicht geblieben. Der 11. September 2001 markierte Veränderungen, die vermutlich viel früher begonnen haben. Dass Europa weiter zusammenwächst, scheint alles andere als sicher. Neue Grenzen tun sich auf. Die Kriege auf der Welt rücken (zumindest gefühlt) näher. Radikale, menschenverachtende Stimmen werden in unserem Land wieder so laut, wie ich es mir kaum habe träumen lassen. Und dass (werdende) Atommächte sich einander wieder offen mit Krieg – und damit mit dem Tod – bedrohen, habe ich mir bis vor wenigen Monaten kaum vorstellen können.

Nein, ich will wahrlich kein Klagelied anstimmen. Wir leben – Gott sei Dank! – noch immer in Frieden und Wohlstand. Aber ich bin sehr nachdenklich geworden.

Schlag(licht)artig wird mir wieder klar, wie erlösungsbedürftig unsere Welt ist. Klar wird mir, dass gute Lösungen für unsere Probleme zwar nicht vom Himmel fallen, aber ebenso wenig einfach von Menschen erdacht und friedlich durchgesetzt werden können. Wo sie gefunden werden, hat Gott seine segnende Hand und seinen guten Geist ins Spiel gebracht.

Wir haben es nötig, dass unsere Füße auf den Weg des Friedens gesetzt werden. Wir haben es nötig, dass die Schatten des Todes von uns genommen werden.

Und damit wird mir auch klar: zuallererst brauchen wir Weihnachten – nicht Weihnachten uns. Wir brauchen den Besuch aus der Höhe. Die wirksame Botschaft von der Erlösung unserer Welt.

Auch wenn manche ansonsten gerade in der Adventszeit etwas zurückhaltend mit dem Aussprechen und Annehmen von Einladungen sind – wir haben ja gerade in der stillen Adventszeit ohnehin mehr als genug zu tun – in diesem Fall können wir zu dem Besuch nur sagen: „Ja, bitte, er möge dringend kommen!“ – alle Jahre wieder.

Joachim Lauterjung