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„Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“

Quelle: Joachim Lauterjung, Profil 2019, Nr. 1

Liebe Leserinnen und Leser,

nein, der Monatsspruch für den Dezember 2018 – und damit auch für das Weihnachtsfest dieses Jahres – bezieht sich nicht auf die Zeitschrift, nicht auf die Automarke und auch nicht auf Fußballspieler, Sängerinnen oder sonstige Prominenz. 

Die Freude gilt einem Stern, der über einem vermutlich eher unscheinbaren Haus steht. Genauer: sie gilt dem, was in diesem Haus geschehen ist. Das Leuchten des Sternes und die Freude gelten dem weihnachtlichen Geschehen: „Gott wird Mensch, dir Mensch zugute“ (Paul Gerhardt). 

Vielleicht sind Sie irritiert, dass ich von einem Haus schreibe – und nicht von einem Stall. Aber Matthäus, aus dessen Evangelium der Monatsspruch stammt (Mt 2,10), weiß im Unterschied zu Lukas weder von einem Stall noch von einer Volkszählung). Nach außen ist alles also noch viel normaler – denn auch der Stall ist ja auch seine ganz eigene Weise spektakulär. 

Viel größer aber ist wohl die Irritation der „drei Weisen aus dem Morgenland“ – gewesen, die diesen Stern schon lange haben aufgehen sehen. Sie hatten nämlich nach der Erzählung aus dem Matthäusevangelium in der Tat etwas Spektakuläres erwartet: die Geburt eines Königskindes. Und so waren sie- ganz standesgemäß – zum Jerusalemer Königshof geeilt. Aber dort wurden sie enttäuscht.

Dort gab es keinen neugeborenen Königssohn. 

Auf die richtige Spur kamen die Weitgereisten erst wieder, als ihnen Schriftgelehrte mit Hilfe biblischer Texte den Weg nach Bethlehem wiesen – eben zu jenem ganz normalen Haus, in dem Jesus geboren war. „Gott wird Mensch, dir Mensch zugute“. 

Aber die Freude der Weisen über den (wiederentdeckten) Stern – und meine Freude – sie haben leider eine Schattenseite, die mich nachdenklich macht: der König Herodes, an dessen Königshof die Weisen irrtümlich geraten waren (einer der Stars seiner Zeit) war misstrauisch geworden und hat alles getan, um den vermeintlichen Konkurrenten auszuschalten. Das führte zu grausiger Gewalt und dazu, dass Jesus nach den Worten sein Leben als Flüchtlingskind begann. Manchen „Sternen“ am Himmel dieser Welt scheint es nicht zu passen, dass Gottes Licht so anders strahlt als der Glanz, in dem sie sich selber gerne sonnen. 

Mich aber ermutigt die frohe Botschaft vom Stern über Bethlehem, meine Maßstäbe zu überprüfen: Welche Sterne (und Stars) sind wirklich wichtig? Liegt das Wunder nicht oft genug im Alltäglichen? Und was verspricht mir Sinn und Glück für mein Leben? Doch viel eher die Tatsache, dass ich geliebt und angenommen bin, als dass ich viel habe.

Was verspricht mir Zukunft? Am Ende wohl nicht das, was ich selber leiste, sondern dass Gott mich nicht loslässt und mir in diesem Kind begegnet, dessen Geburt wir jetzt bald wieder feiern. 

Ihr Joachim Lauterjung