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Angekommen

von Joachim Lauterjung / Profil 2012, Nr. 1

Der Eingangsteil unseres Gottesdienstes
Sonntags morgens vor unserer Kirche: Nach und nach trudeln die Gottesdienstbesucher ein. Es ist lebendig. Man trifft sich, tauscht sich aus, bleibt im Gespräch, geht in die Kirche … Und dann?

Der Gottesdienst beginnt mit dem Orgelvorspiel: Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen, zuzuhören; die Gedanken schweifen zu lassen; manch einer schlägt schon die angeschlagenen Lieder auf.

Es folgen die Begrüßung mit dem Wochenspruch (über jeder Woche des Kirchenjahres steht ein Bibelvers, der auf das Kirchenjahr Bezug nimmt) und dann die Abkündigungen. Eigentlich sind die ein Fremdkörper im liturgischen Ablauf. Nirgends richtig beheimatet; nicht gut begründet unterzubringen und doch unerlässlich. Die Gemeinde soll wissen, was ansteht, wofür die Kollekte erbeten wird, wer getauft, getraut, beerdigt wurde. Denn all das ist ja wichtig.

So informiert und versammelt hören wir miteinander das im Kern schon Entscheidende: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das macht die besondere Situation und Würde eines jeden Gottesdienstes deutlich. Wir sind hier nicht im eigenen Auftrag versammelt.

Wir reden, beten, feiern und teilen nicht auf eigene Rechnung. Es ist Gott, dessen Gegenwart gefeiert wird und der uns mit dieser Gegenwart dient. Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen den Kirchen. In der katholischen Messe dient die Gemeinde Gott. Bei Protestanten dient Gott der Gemeinde im Gottesdienst.

Er dient ihr dadurch, dass sie mit den althergebrachten Worten der Psalmen beten und der einzelne seine Situation gleichsam „von außen“ bedenken kann. Auch wenn es manchmal fremde und befremdliche Worte sind. Sie rücken unser Leben in eine neue Perspektive.

Das verstärkt sich noch, wenn wir im Eingangsgebet und der folgenden Stille unsere eigene Situation in den Blick nehmen können. Wir tragen unseren Dank und unsere Sorgen vor Gott im Vertrauen darauf, dass er uns zumindest für eine Weile in eine heilsame Distanz zu uns selber bringt. Deshalb singen wir: „Herr, erbarme dich“. Ein uralter, ursprünglich profaner Hilferuf.

Das anschließende Gnadenwort soll eine Wohltat sein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir hören einen Zuspruch, der stärker ist als alle Kräfte, die im Alltag an uns zerren – und lassen diesen Zuspruch für uns gelten, wenn wir singen „Allein Gott in der Höh sei Ehr“.

Ein eher allgemeines Lob- und Dankgebet (das sog. Kollektengebet) beendet diesen ersten Teil des Gottesdienstes. Hier geht es nicht um die Sammlung von Geld, wie mancher meinen könnte, sondern um die innere Sammlung und um die Zusammenfassung des vorangegangenen Gottesdienstabschnittes. Wir sind nun angekommen und hoffentlich offen für Neues und Anderes: Für den Zuspruch Gottes.