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Das Vater Unser

Vermutlich ist das „Vater unser“ der Text der Christenheit, der den allermeisten Menschen bekannt ist, unabhängig davon, wie kirchenverbunden sie sind.

Das „Vater unser“ steht in unseren Gottesdiensten, wenn wir Abendmahl feiern, wie ein Tischgebet der versammelten Gemeinde unmittelbar vor der Austeilung von Brot und Wein.

„Unser tägliches Brot“, das eben viel mehr ist als die Kalorien, die wir in unserer Gesellschaft ja eher im Überfluss zu uns nehmen (können), wird dann sinnfällig weitergeben – auch und gerade in Brot und Wein, die dafür stehen, dass wir von Gott bedingungslos geliebt und angenommen sind. Wie Kinder eben von guten Eltern bedingungslos geliebt und angenommen sind.

Und dabei ist es dann wohl vor allem der Entstehungszeit dieses Textes geschuldet, dass da steht „unser Vater“ und nicht „unsere Mutter“. Für mich ist das nicht wichtig, aber ich verstehe die Frauen, die sich das anders wünschten. Und manchmal wünschte ich mir, gerade wenn ich diesen Text bete, dass mehr irdische Väter sich an der Treue dieses himmlischen uns – seinen Kindern – gegenüber orientieren. Meine Gedanken sind dann bei Müttern, die ihren Kindern treu bleiben, wenn der Mann und Vater „eigene Wege gegangen ist“.

So wird dieses Gebet für mich an vielen Stellen auch zur Herausforderung für unser menschliches Handeln.

Die Worte, die in der Mitte der Bergpredigt stehen und mit der Anrede, den sieben Bitten, und dem Schluss (einer sogenannten Doxologie, einem Lobpreis) klar und bis ins Detail kunstvoll gegliedert sind, lassen so Raum für unsere Bitten, für unsere Ängste, Hoffnungen, Sorgen, aber auch für unseren Dank.

Deutlich wird das daran, dass in den ältesten und besten Handschriften, die uns diesen Text überliefern (sie stammen wohl aus dem frühen 2. Jahrhundert), der Schluss zunächst noch fehlt und erst Jahre später ergänzt wird.

Unsere katholischen Geschwister nutzen das in ihren Gottesdiensten bis heute, indem sie nach der siebten Bitte innehalten, einige Bitten formulieren und dann erst enden: „Denn DEIN ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Unsere evangelische Tradition ist einen anderen Weg gegangen: In Gottesdiensten ohne Abendmahl bildet das Vater unser den Abschluss der Fürbitten. Es ist unser letztes Wort, bevor wir einander den Segen zusprechen. Ein Wort, das uns geschenkt ist und das alle Christen dieser Welt verbindet, egal welcher Konfession sie angehören. Und als „Kinder dieses Vaters“ nimmt es wohl auch alle anderen Menschen in unsere Mitte.

Das „Vater unser“ steht am Ende der Fürbitte. Es ist die Bitte, die unser Leben auf das Entscheidende hinweist, und wieviel anderes vielleicht doch etwas weniger wichtig ist. Damit aber wirklich jeder vorkommen kann, steht zwischen der Fürbitte und dem „Vater unser“ eine kleine Zeit des Schweigens, in der er auch das vor Gott bringen kann, was er sonst vielleicht nicht einmal auszusprechen wagt. Und dann sagen wir es gemeinsam: „Vater unser ...“

Das Grundgebet der gesamten Christenheit

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.