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Die Fürbitten

Die Fürbitten gehören vermutlich für die allermeisten Teilnehmer zum unverzichtbaren Bestand eines Gottesdienstes. Hier bringen wir die Not unserer Welt vor Gott. Wir sehen und sprechen die oft schlimme Wirklichkeit, die uns umgibt, mit der Hoffnung zusammen. Aber – und auch das ist wichtig – neben der Fürbitte (und der damit mehr oder weniger deutlich mitgedachten Klage) muss es auch Raum für Dank geben. Viele alte Gebete zeigen das.

Ihren Platz hat die Fürbitte ursprünglich mitten in der Abendmahlsliturgie. So erleben wir es bis heute in jedem katholischen Gottesdienst. Und so wäre es wohl auch bei uns, wenn wir jeden Sonntag Abendmahl feiern würden. Denn mit der Fürbitte schließen wir unsere Gesellschaft in die versöhnende und tröstende Kraft des Abendmahls ein. Und zugleich übernehmen wir Verantwortung für die, die Hilfe nötig haben. Das geschieht beim Abendmahl ganz handfest in Gestalt der ursprünglich mit dem Abendmahl unmittelbar verbundenen Kollekte. (Die Gemeinde bringt die Abendmahlsgaben selber mit, legt sie auf den Altar, dankt für das, was sie hat, gibt es Gott zurück und verteilt schließlich das, was übrig ist, in seinem Namen unter die Bedürftigen.)

So wird deutlich, wie sehr Gebet und verantwortliches Handeln zusammengehören: Wie kann ich um den Frieden in der Welt beten, wenn ich selber Streit schüre?

In unseren evangelischen Gottesdiensten (ohne Abendmahl) aber steht die Fürbitte traditionell am Ende des Gottesdienstes – vor dem Vater Unser.

Dieses Gebet aller Gebete kann uns helfen, Strukturen für unsere (auch privaten Fürbitten im „stillen Kämmerlein“, Matthäus 6,6) zu finden: unsere Sehnsucht nach einer gelingenden Gottesbeziehung, unsere elementaren Bedürfnisse, die vielfache Bedrohung gelingenden Lebens.

Wer dann noch konkrete Themen sucht (und sich ihnen auch stellen will), muss nur noch einen Blick in die Tageszeitung oder die abendlichen Nachrichten werfen. Es gibt nichts, womit wir nicht vor Gott treten könnten.

Aber ist das überhaupt nötig?

Zum einen wissen wir, wie gut es uns tut, wenn einer uns ganz schlicht sagt: „Ich habe für Dich gebetet!“

Und zum anderen ist es spannend, in Martin Luthers Erklärung zum Vater Unser zu lesen (im „Kleinen Katechismus“, in unserem Gesangbuch die Nr. 855). Da schreibt er zu der Bitte „Dein Reich komme“: „Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst, aber wir bitten in diesem Gebet, dass es zu uns komme.“

Wer also Fürbitte hält, der setzt nicht zuletzt also auch darauf, dass die Be - sinnung auf die Not unserer Welt und auf die Verheißung Gottes, ihn selbst betrifft und verändert.

Und dann darf man Gott wirklich alles sagen – und die Worte und die Form, die man dafür findet – oder auch nicht –, sind nicht mehr von entscheidender Bedeutung. Denn: „Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist (Gottes) selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Römer 8,26) Ach, ja!