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Glaubensbekenntnis (2)

von Joachim Lauterjung / Profil 2012, Nr. 4

Eine in vielerlei Hinsicht besonders bewegte Geschichte hat das Glaubensbekenntnis in den Gottesdiensten der Christenheit hinter sich. Das betrifft sowohl seinen Ort im Gottesdienst als auch seinen Zweck und vor allem seine Formulierung.

Erste Glaubensbekenntnisse finden sich schon in der Bibel. Die kürzeste Fassung lautet: „Jesus ist der Herr“ und „Gott hat ihn von den Toten auferweckt“ (Römer 10,9). Solche Bekenntnisse wurden in der Gemeinschaft der Gemeinde vom Einzelnen auf dem Weg zur Taufe gesprochen. Mit ihrem Bekenntnis „Ich glaube“ erklärten die Täuflinge also ihre Zugehörigkeit zu einer „Glaubensgemeinschaft“.

Über kurz oder lang aber genügten diese kurzen Formeln nicht mehr, weil sie zwar dem Einzelnen durchaus genügen konnten, insgesamt aber viele Fragen offen ließen. Wie zum Beispiel soll man es verstehen, dass Jesus der Sohn Gottes ist – und zugleich Mensch?

Für uns mögen diese Fragen weit entfernt scheinen. Für unsere Mütter und Väter im Glauben waren sie von größter Wichtigkeit. Ging es für sie doch darum, ihren Glauben in einer Welt erklären zu müssen, die durchaus kritisch nachfragte: „Wie meint ihr das mit der Gottessohnschaft?“ und: „Kann Jesus denn zugleich Gott und Mensch sein? Gott ist doch ewig; menschliches Leben aber ist begrenzt.“

Diese und andere Fragen nötigten zu gedanklicher Klärung und sprachlicher Sorgfalt.

Hinzu kam ein zweiter Aspekt: Besteht eine Glaubensgemeinschaft nicht nur aus solchen, die Gleiches bekennen? So wurde das Glaubensbekenntnis zur Waffe – manchmal auch zu einer politischen.

Wer diese oder jene Formulierung nicht mitsprechen kann oder will, gehört nicht mehr dazu. Und genau das führte am Ende zu Kirchenspaltungen. Die berühmtesten, weitreichendsten (und traurigsten) sind die des Jahres 1054 (Trennung zwischen Ost- und Westkirche) und 1517 (Reformation).

Aber, und das ist besonders wichtig: aus den ersten Jahrhunderten sind uns drei Glaubensbekenntnisse erhalten, die von den allermeisten Christen in ihrer Verbindlichkeit anerkannt werden: das kaum noch bekannte „Athanasium“ aus dem 5. Jahrhundert, das „ Nicäno-Constantinopolitanum“ aus dem Jahr 451 (sie finden es im Gesangbuch) und das „Apostolicum“ aus dem 3./4. Jahrhundert.

Deshalb lohnt es sich schon um der Ökumene willen, insbesondere den letzten beiden Bekenntnistexten eine besondere Rolle zuzubilligen, selbst wenn dem „Laien“ – und nicht nur ihm – manche Formulierungen schwierig und erklärungsbedürftig scheinen.
Mehr dazu und zum Ort des Glaubensbekenntisses im Gottesdienst in der nächsten Ausgabe von „Profil“.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn,
unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und an das ewige Leben.

Amen.