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Glaubensbekenntnis (3)

von Joachim Lauterjung / Profil 2012, Nr. 5

Glaubensbekenntnisse sind immer auch der Versuch, glaubwürdige Antworten auf die „Fragen der Zeit“ zu geben und unseren „zeitlosen“ christlichen Glauben auf das, was „ansteht“ zu beziehen. Sehr früh ging es dabei zum Beispiel um die Frage nach dem Besonderen an der Person Jesu. Er war ja einer von uns und doch ganz anders. „Ohne Sünde“ sagte man, und meinte damit „in einer ursprünglichen, ungebrochenen und unmittelbaren Beziehung zum Schöpfer“. Und doch zugleich ganz und gar menschlich. Er hat gelitten, er ist gestorben. In diesem Zusammenhang wurde die Rede von der heute für viele anstößigen Jungfrauengeburt wichtig. Aber damit war immer viel mehr verbunden als sexuelle Vorstellungen. Es geht um die Ungebrochenheit und Klarheit in seiner Person, die wir Menschen selber nicht hervorbringen können. Und deshalb kann ich dieses so fremde Wort bis heute gut mitsprechen.

Denn im Ganzen des apostolischen Glaubensbekenntnisses hat es seinen guten Sinn. Insbesondere, wenn wir uns klar machen, wie dieses Glaubensbekenntnis aufgebaut ist (Und dass wir es in der Regel falsch betonen!). Diese Gliederung hat eine Überschrift: „Ich glaube an Gott“ – und dann müssten wir eine Pause machen. Denn die Überschrift entfaltet sich in drei Teile: „Ich glaube an Gott, den Vater“; „Ich glaube an Gott, den Sohn“ und „Ich glaube an Gott, den heiligen Geist“.

Diese drei Abschnitte sind unterschiedlich entfaltet und über jeden wäre viel zu sagen, zumal sich aus den einzelnen Aussagen Hinweise für ein entsprechendes menschliches Verhalten entwickeln lassen.

Gerade unter diesem Aspekt wird auch wieder die zeitbedingte Begrenztheit aller Glaubensformulierungen deutlich:
Was bedeutet es, dass in unserem apostolischen Glaubensbekenntnis kaum etwas über den Lebensweg Jesu steht? Von seinen Gleichnissen und seiner Menschenfreundlichkeit wird nicht gesprochen – spätere haben das in ihren Bekenntnissen nachgeholt.

Nachholbedarf scheint in besonderer Weise bei der Rede von der Schöpfung zu bestehen. Was bedeutet es für unseren Glauben, dass wir uns bis auf wenige (dramatische) Ausnahmen die Schöpfung tatsächlich „untertan“ und beherrschbar gemacht haben? Die Frage nach der Verantwortung für die Schöpfung kannten frühere Zeiten noch nicht in dem Ausmaß wie wir Heutigen.
Hier steht es also wieder an, dass wir mit unserem Glaubensbekenntnis aufs Neue versuchen, glaubwürdige Antworten auf die „Fragen der Zeit“ zu geben. Manche dieser Versuche finden Sie schon heute im Gesangbuch (ab Nr. 813) – und je nach Anlass lohnt es sich, diese Texte im Gottesdienst gemeinsam zu sprechen. Sie zeigen: Glauben ist ein lebendiges, auf unseren Alltag bezogenes Geschehen.