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Glaubensbekenntnis

von Joachim Lauterjung / Profil 2011, Nr. 5

Immer wieder einmal begegnet mir die Frage: „Wozu gibt es eigentlich das Glaubensbekenntnis im Gottesdienst und warum in dieser Form, die vielen eher fremd ist?“

Dieser Beitrag in unserer Reihe zum Gottesdienst will nun nicht auf die inhaltlichen Fragen des Glaubensbekenntnisses eingehen (das wäre vielleicht einmal eine neue Reihe). Vielmehr soll es um die Frage gehen: Warum gibt es überhaupt das Glaubensbekenntnis und welche Rolle spielt es in unseren Gottesdiensten?

Im Glaubensbekenntnis beschreiben wir, warum wir überhaupt als Gemeinde versammelt sind. Wir beschreiben das, was uns trägt und worauf wir uns festlegen wollen – deshalb gehört das Glaubensbekenntnis zu jeder Taufe. Denn unser Glaube ist es ja, der uns verbindet. Aber vermutlich haben wir es auch alle schon einmal erlebt, wie schwierig es ist, den eigenen Glauben für andere verständlich in Worte zu fassen; und noch viel schwieriger ist es, gemeinsame Formulierungen für die Überzeugungen zu finden, die uns einen. Im Glaubensbekenntnis spricht also jeder einzelne für sich („Ich glaube“) – und dadurch, dass wir es gemeinsam sprechen können, entsteht Gemeinschaft.

Suche nach gemeinsamen Aussagen
Die Schwierigkeiten, dieses Gemeinsame treffend zu formulieren, begleitet die Kirche aber nicht erst in der Modernen, sondern seit ihren frühesten Zeiten. Und so hat es von Anbeginn an (oft schwierige) Versuche gegeben, verbindliche Aussagen gemeinsam zu treffen. Die drei großen altkirchlichen Bekenntnisse (wir beten fast immer das Apostolikum, aber es gibt auch noch das Nicänum und das Nicäno-Konstantinopolitanum) sind die herausragenden Ergebnisse dieser Bemühungen.

Dass diese so mühsam gefundenen Aussagen auch dazu benutzt wurden, andere Christen aus der Gemeinschaft auszuschließen, wenn sie anderer Meinung waren, gehört zu den bedrückenden und schwierigen Seiten der Kirchengeschichte.

Von besonderer Bedeutung sind die oben genannten Texte dennoch. Denn sie verbinden bis heute fast alle Christen weltweit, weil sie aus der Zeit vor den großen Kirchenspaltungen 1054 und nach 1517 stammen. Deshalb kommt ihnen eine besondere ökumenische Bedeutung zu, die aus meiner Sicht größer ist, als alle (z. T. berechtigten) Anfragen an einzelne heute schwer verständliche Formulierungen.

Neue Formulierungen
Gleichzeitig aber hat es immer wieder Versuche gegeben, den eigenen Glauben neu und aktuell zu formulieren. Das ist gut und richtig so. Denn mit unserem Glauben reden wir ja nicht einfach über ewige Wahrheiten, sondern wir begegnen immer auch einer sich wandelnden Welt, die nach neuen Glaubensantworten fragt. Manche dieser neueren Text haben sich über viele Jahre bewährt. Einige davon finden Sie in unserem Gesangbuch ab der Seite 1243 und dann noch einmal ab 1305 – Sie sind eingeladen zu stöbern und Texte zu entdecken, die Ihnen besonders nahe sind!