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Segen

von Joachim Lauterjung / Profil 2014, Nr. 5

Am Schluss unserer Gottesdienste steht der Segen. Dessen (ursprünglich lateinische) Einleitung lautet: „ite, missa est! = „geht, ihr seid entlassen“. Daraus entstand die bis heute in der katholischen Kirche gültige Bezeichnung des Gottesdienstes als „Messe“. Auch in unseren Gottesdiensten ist eine Entlassformel üblich: „und nun gehet im Frieden ...“. Sie macht klar, worum es zum Schluss des Gottesdienstes (noch einmal) ganz besonders geht: dass die Gemeinde nämlich (im fast wörtlichen Sinne) in einen besonderen Raum versetzt wird.

In den Raum des Friedens Gottes, den wir im Gottesdienst gefeiert haben. Und darum, dass die Menschen diesen Frieden mit in ihren Alltag nehmen. „Geht“ – nicht entlassen, sondern gelassen; geht, egal was kommt, mit der Gewissheit: Gott ist bei mir. Der Gottesdienst, Gottes Dienst an mir und uns, geleitet uns in den Alltag. Segen ist Zuspruch.

Umfassend ist das formuliert im häufig gebrauchten sog. Aaronitischen Segen, der aus der Wüstenzeit des Volkes Israel stammt und ursprünglich auf Hebräisch formuliert ist: „Der Herr segne Dich und er behüte Dich, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und sei dir gnädig, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und schenke dir seinen Frieden“, 4. Mose 6, 24–26.

Wie ernst, praktisch und handfest Segen gemeint sein kann, zeigen so unterschiedliche Begriffe wie Kindersegen und Geldsegen. Hier geht es ums Gelingen und darum, dass dieses Gelingen immer zugleich Geschenk ist. Unsere eigenen Mühen sind bei unseren alltäglichen Aufgaben wichtig und unverzichtbar, aber sie sind nicht alles, ja oft genug nicht einmal das Entscheidende.

Es bedarf ja nicht unbedingt des Fluches, damit etwas scheitert. Oft genug reicht es, wenn auf einer Tätigkeit kein Segen ruht. Was aber ist, wenn unser Leben trotz des Segens und all unserer Bemühungen nicht gelingt? Die ausgebreiteten Arme des Segnenden erinnern an die aufgelegte Hand, wenn einzelne (z. B. bei Taufen, Trauungen, Einschulungen und Einführungen) gesegnet werden. Sie sagen: Gott halte seine Hand schützend über dir, er lege seine Hand auf dich, du gehörst zu ihm.

Die ausgebreiteten Arme schließen alle mit ein. Wie nah oder fern sie einander auch sein mögen: in diesem Augenblick und in den Augen Gottes gehören sie unwiderruflich zusammen.

Und die ausgebreiteten Arme erinnern an die ausgebreiteten Arme des Gekreuzigten, in die wir uns immer wieder flüchten können. Noch deutlicher als bei den ausgebreiteten Armen wird das beim Kreuzzeichen, mit dem wir unseren Segen beenden: Dieser Segen trägt auch durch Leid und Tod.

Er spricht die Kraft des Auferstanden zu. Er hält die Welt zusammen (horizontal) und: er hält Himmel und Erde zusammen (vertikal).

Kurz:

„Segen ist die Kraft Gottes,
die begleitet und trägt“

– so sagt es ein Text in unserem Gesangbuch. Deshalb gibt es kaum etwas Schöneres, als Menschen zu segnen. Das kann, darf und soll jeder an seinem Platz tun. Nicht nur der Pfarrer in der Kirche. Haben Sie Mut, probieren Sie es aus!